Musik tut immer gut, ob Du sie hörst oder selber musizierst.


Sabine E. Toliver

Vivaldi, Ben & Forky – Ein Jugendprojekt

Kinderbücher über Komponisten und ihre Musik gibt es zuhauf. Und für den interessierten Erwachsenen lässt sich unter Musikermonografien auch immer Ansprechendes finden. Wie aber kann der geneigte Jugendliche etwas – sagen wir – über Antonio Vivaldi erfahren, ohne in seinen möglichen Vorurteilen der „Verstaubtheit“ von klassischer Musik bestätigt zu werden?

Sabine E. Toliver hat die Quadratur des Kreises „geknackt“: In ihrer ersten Stimmgabelgeschichte „Das geheimnisvolle Tagebuch“ trifft der 12-jährige Ben-Edward Picks auf – nun ja, eben Antonio Vivaldi und seine Musik.
Und wie! Von der ersten Seite an ist man (nicht nur) als jugendlicher Leser gefesselt und gespannt darauf, wie ein Teenager des 21. Jahrhunderts zum Fan eines Komponisten des 18. Jahrhunderts mutiert. Eigentlich unvorstellbar, und doch: Mit Humor und Phantasie gelingt es Sabine E. Toliver, ihre Leser auf eine Abenteuerreise einzuladen, die Lust auf mehr macht.
(Hier geht es zur Leseprobe.)

„Musik und Schreiben gehören für mich zusammen wie die schwarzen und weißen Tasten auf dem Klavier“, sagt die Sängerin und Gesangspädagogin Sabine E. Toliver, die sich nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes wieder verstärkt dem Konzertieren und Unterrichten zugewandt hat. Seit zwanzig Jahren ist die gebürtige Coburgerin mittlerweile als Gesangsdozentin an der Technischen Universität ihrer Wahlheimat Dortmund tätig - und hat nicht zuletzt durch diese verantwortungsvolle Aufgabe viele Impulse für das Schreiben der Stimmgabelgeschichten erhalten. 
„Wir müssen junge Menschen mehr an klassische Musik heranführen“, wünscht sich die Sängerin, „denn sie ist nicht alt, Respekt einflößend oder verstaubt. Wenn Klassik mit jungen Ohren gehört wird, dann wird sie selbst wieder jung.“

Und so will TUTTO CONCERTO das Buch und die Musik zusammen bringen.
Wenn also schon ein solch spannender Jugendroman zum Thema klassische Musik vorliegt, dann soll die Leserschaft auch die Gelegenheit erhalten, Vivaldis Musik live zu erleben: Rundherum um die Präsentation des Buchs – aus dem die Autorin selber liest – erklingen Kompositionen des „roten Priesters“, wie Vivaldi auch genannt wurde. Im Mittelpunkt sollen dabei Teile des berühmten Gloria für Solisten, Chor und Orchester stehen, aber auch Highlights aus den „Vier Jahreszeiten“, die noch heute Hit-Status haben, sollten nicht fehlen.

Mit diesem Veranstaltungskonzept, das auch szenische Elemente enthalten kann, wendet sich TUTTO CONCERTO in erster Linie an Theater und Orchester sowie freischaffende Ensembles, die mit ihren eigenen Musikern im Rahmen ihrer Jugendkonzerte auf diese besondere Weise der Kombination von Musik und Buch den Komponisten Vivaldi porträtieren möchten. Wünschenswert wäre es darüber hinaus, für dieses Projekt mit Jugendchören, Musikschulen etc. zu kooperieren.
Natürlich können auch Sabine E. Tolivers „normale“ Lesungen mit Musik – dann allerdings in kleineren Besetzungen für kleinere Räumlichkeiten wie etwa in Buchhandlungen – gebucht werden. Details lassen sich von Ort zu Ort in Vorgesprächen klären.

Sabine E. Toliver:
Ben-Edward Picks & Antonio Vivaldi –
„Das geheimnisvolle Tagebuch“

Für Menschen von 10 bis 100 Jahren

Im Klappentext heißt es:
Ben-Edward Picks ist sauer. Immer diese Umzieherei von einer Stadt in die nächste. Und jetzt sogar nach Graz. Ausgerechnet Österreich, denkt Ben, wie langweilig! Doch als er auf dem Dachboden seines neuen Zuhauses eine sprechende Stimmgabel entdeckt, wird er prompt ins Venedig des Jahres 1711 katapultiert, wo er den Komponisten Antonio Vivaldi trifft. Megaspannend, so eine Zeitreise. Aber werden Ben und die Stimmgabel jemals wieder in unsere heutige Zeit zurückkehren? Mit der Plaudertasche Vivaldi im Gepäck, der durch sein loses Mundwerk die Schweigegesetze der Zeitreise ständig gefährdet, ein gewagtes Unterfangen…

Erschienen im tredition-Verlag (Lieferzeit ca. 1 Woche)
und dort als BUCH DES MONATS Februar 2016 gekürt
www.tredition.de/buch-des-monats-uebersicht/

Paperback 12,50 €
ISBN: 978-3-7323-7547-9

Hardcover 21,50 €
ISBN: 978-3-7323-7548-6

e-Book 3,99 €
ISBN: 978-3-7323-7549-3


Leseprobe mit einem Ausschnitt aus dem 4. Kapitel:

Durch die wahnsinnigen Umdrehungen während der Zeitreise hatten beide vorübergehend das Bewusstsein verloren.

Als sie wieder erwachten, fanden sie sich auf einem harten, unbequemen Steinboden wieder. Forky strich sich ihre zerzausten Wimpern in Schwung, und Ben-Edward rieb sich die Augen. Ein schwüler Dunst schlug ihnen entgegen, der nicht gerade nach Veilchen roch.
"Oh Mann. Was war das denn? Mein Kopf dröhnt!" Ben schaute sich suchend nach der Stimmgabel um, die auf seinem Bauch gelandet war. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er Italienisch sprach. "Das ist ja irre. Das machen wir jetzt vor jedem Schultest so", rief er begeistert. "Ich wähle als Zweitsprache im neuen Schuljahr Italienisch!"
"Unsinn", antwortete Forky. "Lass uns lieber den Maestro Vivaldi finden. Der muss ebenfalls hier irgendwo gelandet sein." Sie hüpfte silbrig blitzend und "a"-singend in der warmen Morgensonne Venedigs auf und ab.
Erst ganz allmählich nahm Ben wahr, dass der harte, unbequeme Steinboden auf dem er hockte, Teil eines großen Platzes war, an dessen Rändern sich beeindruckende Gebäude in der Sonne aalten. Lang gestreckte Häuserzeilen mit Rundbögen und Arkaden, zwischen denen laut gestikulierende Menschen teils flanierten, teils hasteten, zierten diesen Platz ebenso wie eine unglaublich prunkvolle Basilika, deren Mauerweiß und goldene Rundkuppeln ihn fast blendeten. [...]
"Meine Uhr ist stehengeblieben, Forky. Wie spät ist es?"
"Zwei Minuten nach acht", antwortete die und zeigte, während sie ihre Puderdose wieder einsteckte, auf einen mächtigen Uhrturm, der sich groß und schlank aus der Menge der übrigen Gebäude abhob. "Aber zwei nach acht im Jahre 1711!"
"Wie, 1711? Wir sind im Venedig von 1711 gelandet?" Stirnrunzelnd betrachtete er die Passanten, die in einiger Entfernung vorübereilten. Dann sah er an sich herunter - und stellte fest, dass er nicht gerade zeitgemäß gekleidet war.
"Ja, um genau zu sein: Gerade ist es drei Minuten nach acht in der Frühe des dritten Septembers 1711. Wir befinden uns auf der Piazza San Marco mit Blick auf den Torre dell'Orologio und suchen Maestro Antonio Vivaldi." Die Stimmgabel schnalzte vergnügt mit der Zunge. Hach, sie liebte verdutzte Gesichter! "Und, habe ich dir zu viel versprochen?", neckte sie Ben-Edward, der momentan wirklich nicht mit einem intelligenten Gesichtsausdruck dienen konnte.
Doch mindestens genauso verdutzt beäugten die vorbeilaufenden Venezianer Ben selbst in seinem ... Kostüm.
Er genierte sich richtig mit dem Dirk Nowitzki auf der Brust und den Sneakers an den Füßen. Was sollten die Menschen hier nur von ihm denken?
"Lass' uns mal in ein Geschäft gehen und andere Klamotten holen", brummte er. "Ich setze mich doch nicht dem Gespött der antiquierten Venezianer aus!"
"Damit müssen wir warten, bis Vivaldi kommt. Ich habe kein Geld dabei", gab Forky zur Antwort, während sie sich weiter auf der Piazza umschaute. Hoffentlich war die Reise des Maestros nicht schief gelaufen.
Plötzlich fühlte Ben große Aufregung in sich aufsteigen. Gleich würde er dem großen Antonio Vivaldi, dem gefeierten und viel gerühmten Komponisten, gegenüberstehen. In Gedanken überlegte er, wie er dem Maestro angemessen entgegentreten sollte. Mit Handkuss oder ohne? Oder besser mit einer huldigenden Geste? Schade, dass seine Hirnbewohner nicht mehr mit ihm sprachen. Sie hätten bestimmt einen guten Tipp für ihn gehabt. [...]
"Was stehet der Knabe hier mit merkwürdigem Gewande sowie Klumpen an den Füßen und stampfet unentwegt auf den Boden des Markusplatzes, Platzes, jawohl?!"
Hinter ihnen stand eine Gestalt, die - obwohl etwas demoliert - doch eine gewisse Eleganz ausstrahlte. Dünn und leicht nach vorne gebeugt, steckten ihre weiß bestrumpften Beine in abgetragenen schwarzen Schnabelschuhen, die mit einer matt silbrigen Schnalle verziert waren. Eingehüllt wurde diese Gestalt von blauer Seide, geschneidert als ein Paar Kniebundhosen und einer knappen, auf Taille geschnittenen Jacke. War die linke Hand auf einen eleganten Gehstock mit Elfenbeingriff in Form eines Gänsekopfes gestützt, so wedelte in der rechten Hand ein Spitzentaschentuch, das einen Hauch von Lavendelluft verströmte. [...]
Die Augen - ein Farbpotpourri aus wässrigem Blau, Grün und Grau - blickten in einer Mischung aus Spott, Erstaunen und freundlicher Neugier auf Ben und die Stimmgabel. Fast erdrückt wurden sie von buschigen Brauen, die an eine Mondsichel erinnerten. Über alldem leuchteten dünne, halb lange Haare in Feuerrot, mit weißen Fäden durchzogen, vom Kopf dieser Gestalt, die sich Ben-Edward in gepflegtem italienischem Singsang vorstellt: "Gestatten, Maestro Antonio Lucio Vivaldi mein Name! Angenehm, äußerst angenehm, jawohl!"