Ein Kunstwerk ist ein Stück Natur, gesehen durch ein Temperament.


Émile Zola

Filippo Carcano: Scena di vita montana (1885)

OHRENforum XII – La commedia è finita!

Pietro Mascagni            CAVALLERIA RUSTICANA 1890
Ruggero Leoncavallo    I PAGLIACCI – Der Bajazzo 1891
Umberto Giordano        ANDRÉ CHÉNIER 1896
Francesco Cilea            ADRIANA LECOUVREUR 1902

„La commedia è finita - Die Komödie ist zu Ende!“ – mit diesem berühmten Satz beschließt Canio, der Bajazzo, das Operndrama I pagliacci (1891) von Ruggero Leoncavallo. Symptomatisch prallen hier Theatralik und unerbittliche Realität aufeinander, eine Erscheinung, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts in der aufkommenden Strömung des Verismo nicht nur in der Literatur, sondern eben auch in der Musik aufkeimt.

Das „Wahre“ (ital. „vero“), das Naturalistische bestimmt die oft kruden Inhalte dieser speziellen Operngattung, in der nicht mehr Götter- und Sagengestalten oder gemeuchelte Könige und verschmähte Prinzessinnen im Zentrum des Geschehens stehen, sondern „normale“ Menschen des Alltags – häufig eines Alltags sozial eher niedrigstehender Menschen wie die der Bauern-Personage der im dörflichen Sizilien spielenden Cavalleria rusticana (1890) von Pietro Mascagni.

Lebenssorgen und -ängste gesellschaftlich-politischer wie auch
privater Art können aber ebenso in einem real-historischen Ambiente verhandelt werden.
Das Paris des 18. Jahrhunderts ist der Schauplatz der 1896 entstandenen Oper André Chénier, in der der Komponist Umberto Giordano auf biografische Fakten des Dichters (1762-1794) zurückgreift und ihn auf seinem tragischen Weg zur Guillotine während der Französischen Revolution begleitet.

Verismo pur bietet auch das Schicksal der französischen Schauspielerin Adriana Lecouvreur (1692-1730), der Francesco Cilea 1902 ein Operndenkmal setzte.

Die „realtà della vita“, die „Wirklichkeit des Lebens“ auf der Opernbühne mit authentischen Emotionen in voller Ausdruckspalette der Gesangsmelodik und effektvoller Orchestersprache ermöglicht
diesem OHRENforum eine weitere Erlebnisdimension leidenschaftlicher „italianità“!

• Eine allgemeine Erläuterung zu den Seminaren des OHRENforums finden Sie unter dem Menüpunkt "OHRENforum - Die Oper lebt!"

Den Zugang zur Oper über die Musik vermittelt Andrea Knefelkamp-West, langjährige Dramaturgin am Theater Dortmund, wo sie u.a. Generalmusikdirektor Jac van Steen assistierte. In zahlreichen Konzert- und Operneinführungen konnte die Musikwissenschaftlerin und selber ausübende Musikerin dem Publikum musikalische Sachverhalte in lebendiger Weise veranschaulichen.
So bedankte sich Gabriele Kranemann, Teilnehmerin einer vergangenen Veranstaltung, mit den Worten:  
"Lebendig, unterhaltsam und pointiert - so vermittelte die Musikwissenschaftlerin Andrea Knefelkamp-West ihr Anliegen, Menschen die Welt der Oper zu eröffnen.
Besonders beeindruckten mich die vielen relevanten Klangbeispiele, von der Referentin auf dem Klavier vorgetragen, die sorgfältig ausgewählten Musikbeispiele und die gezeigten Fotos und Filmausschnitte.
Dies alles begleitet von hochinteressanten Vortrags- und Gesprächsmomenten. So wurden die Abende zu einem besonderen Erlebnis für alle.

Frau Knefelkamp-West zeigt, wie Oper geht, wie Geschichten durch Musik zur Darstellung gebracht werden und eröffnet dadurch nicht nur Opernfreunden, sondern allen Interessierten einen vergnüglichen und lehrreichen Zugang."